Regelblog

World Rugby Match Officials Lehrgang in Karlsruhe

Am Sontag, den 3.9.2017, waren wir Gastgeber eines World Rugby Level 1 7s Referee-Lehrgangs, gehalten von World Rugby Educator und SDRV-Ausbildungsbeauftragter Dana Teagarden.

Auch unsere Schiedsrichter Anja und Joshua waren dabei und bildeten sich weiter, unterstützt von Stephan, der an seinen Skills als Coach of Match Officials arbeitete.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern, Dana und unseren Spielern, die trotz des harten Spiels gestern gegen den MRFC heute wieder auf dem Platz standen, um unseren Refs realistische Szenarien geben zu können.

Wir freuen uns schon darauf, wieder einen Lehrgang in Karlsruhe ausrichten zu dürfen

By | 2017-09-04T10:50:55+00:00 4. September 2017|Damen, Herren, Jugend, Regelblog, Rugby, Uni Team|

Tobis kleiner Regelblog – Sevens Edition

Heute betrachten wir mal die Ausnahmen bei der Regel und schauen uns die Unterschiede zwischen 7er und 15er Rugby an. Hier werden ausschließlich Dinge diskutiert bei denen die Regeln angepasst oder abgeschafft wurden.

Wie der Name bereits sagt, ist die Spielerzahl von 15 auf 7 reduziert. Dazu kommen 5 Auswechselspieler. Ein ausgewechselter Spieler darf nicht wieder eingewechselt werden, auch nicht im Verletzungsfall, es sei denn der verletzte Spieler hat eine blutende oder offene Wunde.

Die Spielzeit beträgt 7 Minuten pro Halbzeit, hier sind Nachspielzeit und verlorene Zeit nicht inbegriffen. Ein Finale darf bis zu zwanzig Minuten, verteilt auf zwei gleiche Halbzeiten, dauern. Die Pause zwischen den Halbzeiten darf zwei Minuten nicht überschreiten. Im Falle eines Gleichstandes, werden nach einer einminütigen Pause, Verlängerungen gespielt. Der Seitenwechsel erfolgt nach fünf Minuten ohne eine Pause. Wer zu erst Punkte erzielt, gewinnt und beendet das Spiel automatisch.

Für eine temporäre Sperre (gelbe Karte) gibt es eine 2-Minuten-Strafe.

Straftritte dürfen aus der Hand oder als Dropkick erfolgen, nicht als Setzkick. Nachdem ein Straftritt gewährt wurde, muss der Tritt innerhalb von 30 Sekunden erfolgt sein, ansonsten gibt es ein Gedränge für den Gegner. Die Erhöhung muss ein Dropkick sein und innerhalb von 40 Sekunden nach dem Versuch getreten werden. Nach einem Versuch muss sich die Mannschaft die kassiert hat zu der eigenen 10-Meter-Linie begeben, der Kicker darf nicht angelaufen werden. Der erneute Ankick erfolgt durch die Mannschaft, die gepunktet hat. Ein Fehler beim Ankick (direkt ins Aus, keine zehn Meter, Abseits beim Ankick, Ball in der Endzone tot gelegt, aus der Endzone heraus) bringt dem Gegner einen Freekick von der Mitte ein.

Das Gedränge muss von jeweils drei Spielern gestellt werden, auch wenn die Anzahl der Spieler, aus welchem Grund auch immer, reduziert ist. Den Ball absichtlich seitlich aus dem Tunnel (Kanal zwischen den beiden Reihen) heraus treten, wird mit einem Straftritt geahndet.

Ansonsten gelten die „normalen“ Regeln des 15er Rugby Union.

Noch ein paar Worte zum Schiedsrichtern: Der Weltverband hält seine Offiziellen dazu an, beim 7er Rugby zu Gunsten der Spielgeschwindigkeit zu pfeifen. Jegliche Vergehen die den Spielfluss stören und das Spiel langsam machen, sollen hart bestraft werden. Das Ziel ist es, die olympische Sportart möglichst schnell und aufregend zu halten.

Zum Abschluss eine meiner liebsten 7er Begegnungen: Spiel um Platz 3 Samoa v Fiji 2013 in Las Vegas im Rahmen der HSBC Sevens Rugby Series. Dieses Spiel hat alles was man braucht: Härte, Geschwindigkeit, Kampfgeist, Spannung und Unterhaltung auch abseits vom Rugby.

Allen Lesern, Freunden und Unterstützern wünsche ich einen guten Rutsch und ein fröhliches Jahr 2015 auf und abseits der Rugbyplätze.

By | 2014-12-31T13:08:01+00:00 31. Dezember 2014|Regelblog, Rugby|

Tobis kleiner Regelblog – Gedränge durch Maul

Ein kurzer Beitrag zum Ende eines Mauls als Reaktion auf Kritik von gestern:

Folgende Situation: Ein Spieler einer Mannschaft (von hier an Gold genannt) trägt den Ball in den Kontakt und wird von der anderen Mannschaft (Grün) gehalten. Wenn es nun Grün gelingt den Spieler zu umfassen  und Gold es nicht schafft zu Boden zu gehen und einen Ruck zu bilden ist ein Maul entstanden.

Nehmen wir nun an, dass der Maul sich nicht bewegt und der Ball nicht heraus kommt: Gedränge für Grün.

Nehmen wir an, dass der Maul vom Schiedsrichter angesagt wurde und der Maul ohne erkennbares Fehlverhalten kollabiert und der Ball nicht mehr spielbar ist: Gedränge für Grün. (#1Aalpha)

Nehmen wir an, dass sich der Maul in Richtung der grünen Mallinie bewegt. Ein Maul darf einmal in seiner Vorwärtsbewegung innehalten, wenn eine erneute Vorwärtsbewegung innerhalb von fünf Sekunden erfolgt. Stoppt der Maul ein zweites mal, wird eine Toleranzzeit gewährt in der der Ball von Gold produziert werden muss. Diese Zeit wird aber nur gewährt, wenn der Schiedsrichter den Ball und eine Bewegung des Balls zum Ende des Rucks sehen kann. Sind diese Kriterien nicht erfüllt: Gedränge für Grün.

Für Gold gibt es nur drei Auswege aus dem sogenannten „chocke tackle“:

1. Schnell zu Boden kommen und einen Ruck formen, bevor der Schiedsrichter Maul ruft.

2. Den Maul Richtung grünem Malfeld bewegen und gleichzeitig den Ball spielbar machen

3. Den Schiedsrichter verwirren, so dass der nicht mehr weiß das Gold den Ball rein getragen hat. In einer unklärbaren Sachlage erhält die Mannschaft den Einwurf ins Gedränge, die zuletzt in der Vorwärtsbewegung war.

Die Farbwahl für unsere Beispielteams hat in keiner Weise etwas mit der Niederlage der Australier am 17.September 2011 gegen die Iren zu tun und deren damit erreichten 1. Platz in der Gruppe C bei der Rugbyweltmeisterschaft.

Zu #1Aalpha: Es ist im Profibereich derzeit absolut üblich einen Spieler zu halten und zu blockieren bis der Maul ausgerufen ist, um diesen dann umgehend zu kollabieren. Der Ball ist nicht spielbar und die Verteidigung hat den Ballbesitz erobert und darf sich auf ein Gedränge freuen.

Im 7er gibt es hier keine Abweichung bei den Regeln, Mauls sind aber sehr selten. Es braucht eine Unmenge an Spielern um einen Maul zu formen und man hat ja nur 7. Prominentes Gegenbeispiel der Südafrikaner 

EDIT: Eine Situation habe ich nicht erläutert: Wenn der Ball nach einem Kick aus dem freien Spiel gefangen wird, sich unmittelbar ein Maul bildet und der Ball nicht spielbar ist, erhält die Mannschaft die den Ball gefangen hat das Gedränge. Dies gilt nicht für einen Ankick oder den 22-Drop-Out. Vielen Dank nach Darmstadt für den Hinweis.

Mit ovalen Grüßen

Tobi

By | 2014-12-02T17:15:33+00:00 1. Dezember 2014|Regelblog, Rugby|

Tobis kleiner Regelblog – Ruck und Clean Out

Kaum erstellt, der Blog, und schon werden die großen Kanonen ausgepackt.

Copyright International Rugby Board

Der Clear-Out beim Ruck – mit oder ohne Arme?

Der Ruck ist eine Situation in der der Ball am Boden ist und mindestens ein Spieler jeder Mannschaft in unmittelbarer Umgebung des Balls mit ihren Füßen um den Ballbesitz kämpfen. Mindestens ein Spieler jeder Mannschaft muss den stehenden Gegner berühren. Es ist nicht gestattet sich am Spieler, der am Boden liegt ab zu stützen oder festzuhalten. Für Spieler die sich dem „offenen Gedränge“ anschließen wollen gelten folgende Regeln:

1. Der Kopf darf nicht tiefer als die Hüften sein

2. Ein Spieler der in einen Ruck reingeht muss sich mit dem kompletten Arm an einem Spieler, Gegner oder Teamkollegen, binden. Die Bindung muss dem Kontakt mit anderen Körperteilen voraus gehen, oder gleichzeitig erfolgen. Das Auflegen einer Hand gilt nicht als Bindung.

3. Alle Spieler die irgendwie an einem Ruck beteiligt sind, müssen auf den Füßen sein.

Ein Clean Out soll im Nachfolgenden das Ausräumen eines Spielers aus dem Ruck bezeichnen. Dabei geht ein Spieler parallel zur Außenlinie über den am Boden liegenden Ball/Ballträger und drängt dabei einen gegnerischen am Ruck beteiligten Spieler über den Ruck zurück, bis beide nicht mehr Teil des Rucks sind.

Beachtet man Punkt 1 – 3 ist sofort klar, Rucken ist ein anständiger nicht der Gesundheit abträglicher Teil des Rugbysports. Es ist nicht erlaubt nur Kontakt mit der Schulter zu machen. Soweit die Theorie, nun zur Praxis: Jeder der sich in den letzten fünf bis zehn Jahren auch nur irgendein professionelles Spiel angeguckt hat, wird wissen dass diese Regeln komplett ignoriert werden.

Hier mal ein gutes Beispiel. Bakkies Botha räumt Adam Jones aus dem offenen Gedränge raus und kugelt ihm dabei die Schulter aus. Als Belohnung wurde er für zwei Wochen gesperrt und durfte nicht am dritten und letzten Test zwischen den British and Irish Lions und den Springboks teilnehmen. Es wird Botha nicht geholfen haben, dass er sich in gefühlt jedem Spiel eine Strafe einhandelt und meist auch zu Recht. Es ist für mich aber schwer zu erkennen, wo er sich abseits der Norm bewegt hat. Ohne Frage hat er sich außerhalb der nieder geschriebenen Regeln bewegt, diese finden aber ohnehin keine Anwendung.

Zur Verdeutlichung der Sachlage hier zwei Rucks aus dem Australien gegen Argentinien Spiel vom 4.Oktober 2014. Im ersten von den zwei Bildern kann man wunderschön sehen, dass die Köpfe tiefer stehen als die Hüften, wenn der Ruck begonnen wird. Beim Verteidiger mag das noch toleriert werden, da er zum Ball gehen will und sich dafür zwangsläufig bücken muss. Der Angreifer, der das Ruck sichern möchte, missachtet die Regeln so wie sie nieder geschrieben wurden.

Im nächsten Bild sieht man schön , dass kaum einer der an diesem Ruck beteiligten Spieler noch steht.

Kommen wir nun nach einigem Geplänkel zur Beantwortung der eigentlichen Frage:

Im Laufe der Zeit habe ich einige Spiele gesehen, live und übertragen, und bei den professionellen Spielen und höher klassigen Spielen in Deutschland fällt immer wieder auf, dass ein Clean Out mit der Schulter geduldet wird. Es ist schwierig hierfür ein gutes Beispiel zu finden, da man einen einzelnen Moment eines hochauflösenden Videos finden müsste, dass nicht unter den Kopierschutz fällt. Um Beispiele zu sehen, kann man sich aber jedes beliebige internationale Rugbyspiel ansehen.

Die Situation in der man sich völlig wahllos in den Gegner wirft, der versucht den Ball zu klauen, ist üblicherweise die folgende: Ein flinker Spieler, z.B. die 9 oder ein Flanker, hat den Durchbruch geschafft und ist seiner Verstärkung einige Meter voraus. Er wird getackelt und der Gegner geht an den Ball. Der Unterstützer, gerne Lock oder Prop, kommt nun am Ruck an und versucht den Ballverlust zu verhindern in dem er sich aus vollem Lauf mit der Schulter voran in den Gegner wirft. So lange er nicht auf dem Ball landet, wird dieses Verhalten geduldet.

Ich persönlich sehe die Entwicklungen in und um den Ruck kritisch. Es ist auf der einen Seite so, dass ein moderner Rugbyprofi innerhalb kürzester Zeit an den Ball geht nach einem Tackle. Müsste man sich an alle Regeln halten, so wie sie im Regelbuch nachlesbar sind, würde der Ball ständig die Seiten wechseln, denn der Ballbesitz für mehr als drei Phasen wäre nicht möglich. Einen solchen Sport kann man sich kaum angucken. Auf der anderen Seite leben die Profis eine Art und Weise vor, wie sie dem Amateursport kaum zumutbar ist. Um die Wucht eines 95 kg Amateurs, der sich mit 8 m/s auf einen Spieler wirft, dessen Rücken frei liegt, weil er legal nach dem Ball greift, aushalten zu können muss man schon über eine gute Rückenmuskulatur verfügen. (Impuls I = 95* 8 = 760  kg*m/s übertragen durch die relativ kleine Fläche der Schulter) Dazu wird die Bewegung unkontrolliert, weil man bei einem Clean Out mit der Schulter zwangsläufig den sicheren Stand aufgeben muss. Zusätzlich fallen immer mehr Körper in immer abstruseren Bewegungen über den Ruck. Ich persönlich halte es weder für sinnvoll noch konsequent den Kontakt mit der Schulter und ohne Umfassen beim Tackling zu verbieten, aber beim Rucken zu gestatten. Was man hier ändern könnte ohne den Ruck ab zu schaffen, übersteigt meine Kompetenzen.

Es bleibt jedoch zu bedenken, dass Rugby Union ohne Ruck im Endeffekt Rugby League ist. Der Ruck ist ein wichtiger Teil des Spiels, immerhin definiert er den Charakter des Spiels in erheblichem Maße: Wenn deine Mannschaft dich nicht unterstützt, verlierst du den Ball.

Begrüßen würde ich es, wenn man sich der Regeln einmal annimmt. Es kann nicht sein, dass niedergeschriebene Regeln aus dem offiziellen Regelbuch keine Anwendung mehr finden, aber trotzdem bestehen bleiben. Meiner Meinung nach ist diese ungeklärte Regellage und die daraus resultierende Art zu rucken eine Gefährdung für die Gesundheit der Spieler. Die Experten beim Weltverband World Rugby sollten sich einmal zusammen setzen und eine Reform erarbeiten. Dem Gedränge hat es ja auch gut getan.

Wie bei allen Dingen im Rugby, kommt es bei der Auslegung immer darauf an, wie gut der Schiedsrichter die Regeln kennt, wie er sie auslegt und ob er die Situation sieht. Würde ich es pfeifen? Wahrscheinlich nicht. So lange niemand auf dem Ruck oder Ball zum Erliegen kommt und der Clean Out nicht völlig ohne Maß und mit erkennbarem bösen Willen geschehen ist, orientiere ich mich an dem was die Profi-Schiedsrichter vorgeben. Es gilt beim Rugby ja auch, dass gute Form erstrebenswert ist, aber der Effektivität doch eine hohe Bedeutung zukommt.

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass es im Rugby derzeit nun einmal so ist, also muss man sich darauf einstellen und diese Praktiken für sich und seine Mannschaft nutzen. Abseits von Kneipen, Pubs, Regelkomissionen und Blogs zum Thema lohnt es sich nicht, sich darüber zu beschweren. Wenn auf dem Platz einmal mehr große Aufregung wegen angeblichen Fehlverhalten entsteht, so muss man sich daran erinnern, dass der Adrenalinspiegel hoch ist, manche Schiedsrichter sich durch Geschrei beeinflussen lassen und der Impuls solche Verstöße mit der Faust zu klären in vielen von uns verankert ist. Soll heißen, nicht immer alles so ernst nehmen, was einem der Gegner so erzählt und was er für unfair hält. Es zählt die Deutungshoheit und  Regelgewalt des Schiedsrichters.

Um meiner Pflicht gegenüber den antiken Griechen nach zu kommen, hier noch mal ein paar Worte zum Ruck im olympischen 7er: Genau wie beim 15er schert man sich auch hier wenig um die oben genannten Punkte. Man sieht den Clean Out mit der Schulter selten, was daran liegt, dass Rucks im 7er vermieden werden. Entsteht doch mal einer, sind so wenige Personen beteiligt, dass man ihn kaum trifft und dabei legal durch das Gate kommt. Außerdem ist jeder Spieler der mit Rucken beschäftigt ist, ein für die Verteidigung verlorener Spieler und im 7er gewinnt der, der besser verteidigt (zumindest bei den „Profis“). Auch das eigentlich nicht gestattete Festhalten am Spieler am Boden ist im 7er durchaus üblich. Ähnlich ist es mit dem völlig normalen „bridging“, über dem Ball auf allen Vieren abstützen und den Ball abschirmen. Hier ist der Kopf zwangsläufig tiefer als die Hüfte, was wie bereits erwähnt illegal ist.

All dies wird im 7er geduldet, gerade weil der Sport hier mit hohem Tempo gespielt werden soll. Ständige Unterbrechungen wegen solchen „Kleinigkeiten“ wie den Regeln, werden vom Schiedsrichter nicht angestrebt.

Mit ovalen Grüßen

Tobi

By | 2014-11-26T10:59:29+00:00 20. November 2014|Regelblog, Rugby|

Tobis kleiner Regelblog – No Maul Line Out Defence Edition

Einige haben sicherlich das Line-Out und den folgenden „Maul“ beim Irland – Südafrika Spiel gesehen.

Ein Maul ist laut IRB Laws dann geformt, wenn sich am stehenden Ballträger mindestens ein Spieler der anderen Mannschaft bindet. Hier hat Irland sich nicht gebunden und damit kein Paket geschaffen. Um mal Bruce Darnell frei zu zitieren: „Ohne Paket kein Abseits“. Der hervorragende Jack McGrath hat dann den Ballträger legal zu Boden gebracht. Im folgenden entsteht ein Ruck, das nicht aufgelöst werden kann und die zuletzt in der Vorwärtsbewegung befindlichen Iren bekommen das Gedränge.

Dies ist keine seltene Taktik, gerade in den nationalen Ligen in Britanien, Irland oder Frankreich, kommt es immer wieder vor, dass so gegen einen Maul verteidigt wird. Das letzte Mal an das ich mich erinnern kann, dass eine Internationale Delegation sich dieses „Tricks“ bedient hat, ist das Spiel der Italiener 2007 gegen Frankreich.

Für Mannschaften, deren Trainingsbeteiligung im Sturm variiert, deren Sturm vielleicht nicht der schwerste ist oder die im Spiel unter Zeitdruck sind, ist dass eine Taktik die man durchaus bedenken sollte. Allerdings sollte man vorher mit dem Schiedsrichter sprechen. Romain Poite hat in dem Irland Spiel die richtige Entscheidung getroffen. Ob ich vergleichbar schnell geschaltet hätte, dass wage ich zu bezweifeln. Außerdem muss jeder Stürmer Bescheid wissen und dem Impuls widerstehen sich einfach in den Maul zu stürzen. Ansonsten hat man einen Maul und eine deutlich verzögerte Verteidigung, was dramatische Konsequenzen haben kann.

By | 2014-11-16T17:25:10+00:00 16. November 2014|Regelblog, Rugby|

Tobis kleiner Regelblog – Edition 2

Regelfragen die aufkamen:

Wann ist der Ball aus:
Die Gasse („Line Out“) ist die Wiederaufnahme des Spiels wenn der Ball die Außenlinie oder etwas jenseits der Außenlinie berührt. Der Ball ist im Sinne der Regeln ebenfalls außerhalb des Spielfeldes, wenn der Ballträger die Außenlinie be- oder übertritt.
Wenn ein Spieler den Ball fängt und dabei mit einem Fuß auf oder außerhalb der Außenlinie ist zählt der Ball als aus.(1)
Überquert der Ball die Außenlinie und wird von einem Spieler gefangen der mit beiden Füßen innerhalb des Spielfeldes ist, ist der Ball NICHT aus. Dieser Spieler darf den Ball ins Spielfeld werfen, schlagen oder treten.
Wenn ein Spieler springt und den Ball FÄNGT muss er mit beiden Füßen innerhalb des Spielfeldes landen, ansonsten zählt es als aus.
Ein Spieler außerhalb des Spielfeldes darf den Ball treten oder schlagen um ihn im Spielfeld zu halten, sofern der Ball die Außenlinie nicht überquert oder berührt. Der Ball darf jedoch NICHT gefangen werden.

Die Gasse wird entlang der „Line of Touch“ ausgeführt, diese ist orthogonal zur Außenlinie an der Stelle an der der Ball/Ballträger das Spielfeld verließ.
Bei einem direkten (berührt das Spielfeld nicht mehr) Kick aus der 22 wird die Gasse an der Stelle gespielt an der der Ball das Spielfeld verlassen hat. Wird der Ball außerhalb der 22 direkt ins Aus gekickt oder in die 22 zurück getragen und direkt ins Aus gekickt wird, erfolgt der Einwurf auf der Höhe des Kicks.(2)

(1) Dieser Punkt ist von großer Bedeutung. Kickt uns der Gegner im offenen Spiel den Ball zu und unser Fänger fängt den Ball mit einem Fuß im Aus, zählt der Ball als direkt ins ausgegangen und es ist unser Einwurf. Besondere Bedeutung im Zusammenhang mit (2).
(2) Der Ball ist innerhalb der 22, wenn es eine Abseitslinie oder eine Standardsituation innerhalb der 22 gab. Wenn also das Mark für eine Gasse oder ein Gedränge innerhalb der 22 ist, oder ein Ruck/Maul in der 22 gebildet wurde, gilt der Ball als innerhalb der 22. Besonders bei Standards darf die 9 den Schiedsrichter gerne fragen, ob der Ball „inside or outside“ ist.

Was man im Line-Out machen muss, darf oder nicht darf:
– Man darf sich nicht auf dem Gegner abstützen. (Strafe: Penalty kick)
– Man darf den Gegner ohne Ball nicht halten, schubsen, angehen, behindern oder halten, außer bei einem Maul oder Ruck. (PK) Dies gilt allerdings immer im laufenden Spiel, nicht nur während des Line-Outs
– Man darf auf einen generischen Spieler nicht zu stürmen, außer beim Versuch ein legales Tackle zu machen oder den Ball zu spielen. (PK)
– Man darf den Fänger beim Liften von hinten nicht unterhalb der Shorts anfassen, von vorne nicht unterhalb der Oberschenkel. (Free Kick)
– Man darf nicht liften bevor der Ball die Hände des Einwerfers verlassen hat (Pffffffffffffffffffffffffffffff) (FK)
– Vorgreifen ist erlaubt
– Die Lifter müssen den Spieler wieder zu Boden bringen, sobald der Ball gewonnen wurde. (FK)
– Der Einwurf darf nicht blockiert werden (FK)
– Wenn der geworfene Ball einen am Line-Out teilnehmenden Spieler überquert hat, darf dieser in den Raum zwischen Außenlinie und 5-Meter-Linie vordringen Man darf sich aber vor Ende der Gasse nicht näher an die eigene Mallinie bewegen, außer um den Ball zu fangen oder aufzunehmen. (Hier gibt es noch einiges mehr zu, aber ein andern mal.) (FK)
– Der Ball darf nur mit beiden Händen oder mit dem inneren Arm (der Mitte der Gasse zugewandt) gefangen oder geblockt werden, es sei denn wenn beide Hände über dem Kopf sind. (FK) 
– Gassenverteidigung: Der Fänger darf getacklet werden, sobald er wieder auf dem Boden ist, ABER NICHT VORHER. (Penalty Kick)
Spieler die keine Fänger waren dürfen getacklet werden, sobald sie in Ballbesitz kommen. (PK)

Grüße
Tobi

By | 2014-11-12T09:56:48+00:00 12. November 2014|Regelblog, Rugby|

Tobis kleiner Regelblog – Edition 1

In letzter Zeit habe ich häufiger über Regeln diskutiert, wurde zu Regeln befragt oder habe bemerkt, dass ich Regeln falsch verstanden habe. Dazu kommt die stark variierende Qualität der Schiedsrichterleistungen, die es nicht einfach machen zu erkennen, was denn nun richtig ist und was nicht. Aus diesem Grund möchte ich hier eine kleine „Kolumne“ anfangen.

Nach Spieltagen oder Trainings werde ich die Sachen an die ich mich nach der dritten Halbzeit noch erinnern kann nachschlagen, aufarbeiten und hier posten. Da unsere Damen sich der olympischen Variante widmen, werde ich auch Regelunterschiede zwischen 15er und 7er Rugby erläutern. Wen das nicht interessiert/Wer schon alle Regeln perfekt kann, der scrollt einfach weiter.

Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht.

Regelfragen die gestern aufkamen:

Zehn Meter:
Beim Ankick muss der Ball die zehn Meter überqueren, es ist dabei egal ob der Ball den Boden vorher berührt oder nicht.
Auch interessant: Wenn der Ball über die 10m Linie fliegt und wieder zurück kommt (Wind) ist er trotzdem weit genug gekickt worden.
[Ref: IRB Laws of the game13.5 Kick-off of 10 metres
If the ball reaches the opponents’ 10-metre line or reaches the 10-metre line and is blown back, play continues.]
Ich habe diese Regel immer so begriffen, dass der Ball im Flug über die Zehn-Meter-Linie muss, aber nach Diskussion mit Hans Brauner in seiner Funktion als ranghoher Schiedsrichter hier in BaWü kam heraus, dass die totale Distanz zählt und nicht die Flugdistanz.

Aushebeln:
Es ist legal den Ballträger beim Tackle von den Füßen zu hebeln. Es ist aber verboten den Spieler so zu Boden zu bringen, dass Kopf oder oberer Rücken mit dem Boden in Berührung kommen. Üblicherweise gibt es hierfür gelbe oder rote Karten.
Berühmtes Beispiel: Wales gegen Frankreich RWC 2011.
[Ref: 10.4 Dangerous play and misconduct
(j) Lifting a player from the ground and dropping or driving that player into the ground whilst that player’s feet are still off the ground such that the player’s head and/or upper body come into contact with the ground is dangerous play.]
Nachdem unser hervorragender und wunderschöner Fanblock gestern beinahe eskaliert ist, nachdem ein Karlsruher Spieler ausgehebelt wurde, diese kleine Anmerkung.

Mit dem Ball aufstehen:
Nach einem legalen Tackle muss der Ballträger/Getacklete den Ball los lassen bevor er aufsteht.
Interessant vielleicht noch: Wenn ein Spieler ohne Tackle zu Boden geht und aufstehen kann ohne einem gegnerischen Spieler den Zugriff zum Ball zu verwehren, muss er den Ball nicht vorher ablegen.
[Ref: 15.5 The tackled player
(b) A tackled player must immediately pass the ball or release it. That player must also get up or move away from it at once.]
Da habe ich dem Schiedsrichter gestern lautstark Regelunkenntnis unterstellt, musste mir dann aber erklären lassen, dass alles richtig war.

Ovale Grüße
Tobi

Postskriptum:

By | 2014-11-11T17:34:31+00:00 11. November 2014|Regelblog, Rugby|